Der Iran heute: die Menschen wirken entspannt, obwohl das Land mitten in der Krisenregion naher und mittlerer Osten liegt.
Seit Herbst 2013 regiert der als toleranter geltende Präsident Rohani die islamische Republik.

Zwar ist sie nach wie vor ein Gottesstaat mit harten Gesetzen, doch im Ausland wird der Iran zunehmend liberaler wahrgenommen.
Darum reisen jetzt auch wieder mehr Europäer in das Land.

Kulturinteressierte gehen auf Spurensuche nach dem antiken Persien und machen sich ein Bild vom Iran der Gegenwart.

Diese äußerst interesannte 3Sat Dokumentation erlaubt einen tollen Einblick in das Leben und die Geschichte der Iraner.

 

 

Transkript aus der Dokumentation:

Der Iran ist fast 5-mal so groß wie Deutschland.
Auf unserer Reise folgen wir einer touristischen Route und meiden die manchmal unruhigen Grenzgebiete.
Wir beginnen in Shiraz im Süden und fahren von dort nach Yazd und nach Isfahan.
Zum Schluss besuchen wir die Hauptstadt Teheran.
Shiraz ist eine grüne Stadt und berühmt für ihre Parks und Gärten.
Ein Paradies – besonders im Frühling – der Eram-Garten.
Das Wort „Paradies“ hat seinen Ursprung vermutlich im altpersischen „pairi-daeza“ und bezeichnet eine eingegrenzte Anlage.
Der Eram-Garten wurde bereits vor über 1000 Jahren angelegt.
Eine Armada von Gärtnern ist täglich damit beschäftigt, Petunien,Veilchen, und Geranien am Leben zu erhalten.
Schwierig in einer Wüstenstadt wie Shiraz.
Nachdem wir den Samen in die Erde gelegt haben, müssen wir ihn pflegen wie ein Kind, damit daraus eine schöne Blume wird.
Es ist Ende April, die Temperaturen liegen zwischen 25 und 30 Grad.
Alle zieht es nach draußen, auch die Studenten der Universität von Shiraz.
Jetzt ist das Klima angenehm; nur an die trockene Luft müssen sich die Touristen gewöhnen.
Frühling und Herbst sind die idealen Reisezeiten für den Iran.
Im Juni, Juli steigt das Thermometer auf über 35 Grad.
In einem kleinen Kiosk im Eram-Garten werden Eis und Säfte verkauft.
Das besondere: die Erfrischungen sind nicht aus Früchten zubereitet, sondern aus Blütenblättern heimischer Pflanzen, zum Beispiel Rosen.
Das Rosenwasser gilt als besondere Delikatesse.
Shiraz hat anderthalb Millionen Einwohner, und alle scheinen ein Auto zu besitzen.
Der Verkehr ist anstrengend und ermüdend.
Ampeln sind bestenfalls eine Entscheidungshilfe; überhaupt werden Verkehrsregeln nur sporadisch befolgt.
Jedes Fahrmanöver wird durch hupen angekündigt…und angekündigt wird ständig.
Manchmal zu spät.
Auch wenn der Verkehr auf den ersten Blick gar nicht so gefährlich aussieht, die Zahlen sind erschreckend: jedes Jahr sterben im Iran etwa 20.000 Menschen bei Verkehrsunfällen, rund sechs Mal mehr als in Deutschland, trotz geringerer Einwohnerzahl.
Wegen der angespannten Lage in der Region haben viele Menschen Angst davor in den Iran zu reisen.
Dabei gilt das Land als vergleichsweise sicheres Reiseland.
Die Menschen dort suchen den Kontakt zu den Touristen und sind sehr gastfreundlich.
Für uns Europäer ist die Kultur jedoch sehr fremd, mit ungewohnt vielen Verboten.
Die meisten haben allerdings für Touristen keine Bedeutung.
Doch einige Regeln gelten auch für sie:
Frauen haben in der Öffentlichkeit ihre Arme zu bedecken und ein Kopftuch zu tragen.
Alkohol trinken ist verboten.
Die Iraner versichern uns aber immer wieder: alles ist verboten und trotzdem wird alles gemacht…allerdings hinter verschlossenen Türen.
Shiraz gilt im Iran als die Stadt der Liebe, Rosen, Nachtigall und der Poesie.
Einige der bedeutendsten Dichter Persiens waren hier zu Hause.
Die Iraner verehren sie noch heute.
In Shiraz haben sie ihnen Denkmäler gewidmet und wichtige Plätze nach ihnen benannt.
Die Erinnerung an Staatsmänner oder Geistliche scheint dagegen nicht ganz so wichtig zu sein.
Auf die Liebe zu den Dichtern können sich alle einigen, z.B. auf Saadi, geboren ca. 1190.
Sein Mausoleum steht in einem Park, der seinen Namen trägt.
Eine der wichtigsten Touristenattraktionen von Shiraz: das Grabmal von Hafis.
Aus dem ganzen Iran kommen die Menschen angereist um den Dichter zu ehren.
Den Pavillion ließ der Schah von Persien 1936 erbauen.
„Wir mögen Hafis, weil er in seinen Werken hauptsächlich über die Liebe schreibt und darüber andere Menschen zu lieben. Außerdem konnte er den gesamten Koran auswendig und hat immer für Gott gesprochen.“
„Der Garten deines Genusses verleiht dem Paradiese Glanz.
Das Feuer deiner Entfernung entflammt der Hölle Glut.“
Diese Zeilen stammen aus dem Diwan, Hafis berühmtem Gedichtband.
Ein großer Verehrer des persischen Lyrikers war Johann Wolfgang von Goethe.
Dessen Gedichtssammlung „west-östlicher Diwan“ war von Hafis inspiriert.
„Hafis ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten unseres Landes.
Er steht für unsere Tradition und Geschichte. Wir sind sehr stolz auf ihn.
Hafis verkörpert 750 Jahre Kultur.“
Eine andere Sehenswürdigkeit durften früher nur muslimische Touristen betreten.
Heute kann jeder das bedeutende Heiligtum Schah Tscheragh besuchen.
Die neue politische Wetterlage macht es möglich.
Seit Hassan Rohani im Herbst 2013 die Wahl zum Präsidenten des Iran gewann wurden viele wichtige Posten umgesetzt.
Auch in diesem Heiligtum.
Von jetzt an lade ich alle interessierten Menschen ein in den Iran zu kommen und sich in Shiraz das drittgrößte Heiligtum unseres Landes anzusehen.
Überhaupt gibt es im Iran noch viele, viele andere alte und religiöse Stätten, die es wert sind besucht zu werden.
Als erstes ausländisches Fernsehteam bekommen wir die Erlaubnis im Heiligtum zu filmen.
Was wir im Inneren sehen verschlägt uns die Sprache.
Die Wände sind geschmückt mit Mosaiken, die aus winzigen Spiegeln bestehen.
Sie bringen den gesamten Raum zum Funkeln.
Wir fühlen uns wie in einer riesigen Schmuckschatulle.
Im neunten Jahrhundert ermordeten Schiiten in Shiraz einen der 17 Brüder des berühmten Imam Reza.
Er wurde in einem Sakrophag beigesetzt.
Zu ihm pilgern die Menschen noch heute.
Schah Tscheragh ist die Moschee, die ihm zu Ehren errichtet wurde.
Das Heiligtum besuchen vor allem Schiiten.
Es leben nur wenige Sunniten im Iran.
Im Gegensatz zum Nachbarland Irak, ist das Zusammenleben beider Glaubensrichtungen des Islam friedlich.
Martialisch: die Zitadelle des persischen Herrschers Karim Khan.
Im 18. Jahrhundert war sie Regierungssitz, später Gefängnis und Polizeihauptquartier von Shiraz.
Inzwischen ist sie ein Museum.
Die Ausstellung zeigt auch, was am Hof serviert wurde: Weintrauben.
Shiraz war einst ein berühmtes Weinanbaugebiet.
An diesen Hängen wachsen schon lange keine Reben mehr.
Seit der islamischen Revolution 1979 herrscht im Iran striktes Alkoholverbot.

From http://www.amirbaghiri.de/?p=93

Advertisements